Über PARA_DEIS*

KOMM! WIR MACHEN UNS DIE WELT ZUM PARADIES!

Der Künstler Karsten Michael Drohsel war 2018 eingeladen im Rahmen von SOHO in Ottakring ein beteiligendes Kunstprojekt, die „Wunderkammmer in der Sandburg Ottakring“ zu entwickeln und durchzuführen. Die Motivation der Einladung war die Expertise Drohsels im Bereich Nachbarschaftsaktivierung, die im Sandleitenhof unter dem Motto „Jenseits des Unbehagens“ darauf abzielte aus einer Residenz-Gesellschaft eine Lebens-Gemeinschaft zu machen oder anders ausgedrückt dafür Sorge zu tragen, dass die Bewohner*innen künftig wieder mehr miteinander statt übereinander sprechen. Hierzu wurde ein aufsuchendes Projekt initiiert, das über die individuelle Erfahrung der Menschen (repräsentiert durch persönliche Objekte, die in einem temporären Museum ausgestellt waren) Neugierde an der/dem Anderen und deren/dessen Geschichte hervorruft.

Die Wunderkammmer in der Sandburg wurde als ein beteiligendes sozio-kulturelles Kunstprojekt, innert dessen im Rahmen von SOHO in Ottakring 2018 mit den Bewohner*innen des Sandleitenhof/Ottakring/Wien ein temporäres Museum eingerichtet wurde, angelegt. Gesammelt und gezeigt wurden Zeichnungen von Gegenständen, die für die Bewohner*innen besonderen Wert besitzen

Über die gezeigten Gegenstände wurde es möglich miteinander ins Gespräch zu kommen, Nachbarn lernten sich auf diese Weise persönlich kennen und erfuhren etwas über Lebenswege und –Umstände der Anderen. Aus einigen der Begegnungen sind inzwischen Bekanntschaften entstanden.

Das Initial, für die Einladung zwischen SOHO in Ottakring 2018 und 2020 (die Veranstaltung findet zweijährig statt) ein auf den Erfolg der Wunderkammmer aufbauendes neues Projekt zu entwickeln, erging im Herbst 2018. Das Vorhaben fußt zum einen auf der Erkenntnis, dass Projekte der Nachbarschaftsaktivierung sich nicht in Festival-Zeit verstetigen lassen. In diesem Rahmen hat sich aber schon ein gutes Netzwerk gebildet, das nun aufrecht erhalten und mit neuen Ideen und Formaten bespielt werden muss, um eine nachhaltige nachbarschaftliche Struktur zu schaffen.

Durch sozial-kulturelles Lernen, Handeln und Erleben soll ferner eine nachbarschaftliche Aktivierung angestoßen werden, die an einem nachbarschaftlichen Ort stattfinden und durch Projekte rund um Kunst, Kultur und Ernährung gerahmt werden soll.

Das Projekt

Das Projekt „PARA_DEIS*“ ist ein beteiligendes sozial-kulturelles Lehr- und Lernprojekt, dessen Kern ein Saatgutarchiv bildet, das mit den Bewohner*innen des Gebiets Sandleiten gegründet und gefüllt werden soll.

Seit Oktober 2020 haben wir damit begonnen, Menschen im Sandleitenhof auf unterschiedliche Weise auf ihre Vorstellung vom Paradies anzusprechen und im Rahmen von aufsuchenden Workshops, Zeichnungen des individuellen Paradieses bzw. von Saatgut von Früchten anzufertigen, die in diesem Paradies zu finden sind.

Die Zeichnungen dienen als Mittel, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und über ihre konkreten Vorstellungen, Wünsche und Anforderungen an eine soziale und kulturelle Stadtentwicklung zu sprechen. Dies ist besonders von Bedeutung, da das Projekt den Startschuss für einen umfangreichen Transformationsprozess im Sandleitenhof und der unmittelbaren Nachbarschaft geben soll.

Begleitend zu den Zeichnungen werden Interviews geführt, durch welche die Vorstellungen konkretisiert werden sollen. Fragen wie z.B. Welche Früchte sind denn in deinem Paradeis zu finden? Welche nicht? Was gibt es sonst noch zu sehen? Wer lebt da? Wer ist ausgeschlossen? Wie ist dein Paradies beschaffen/abgegrenzt? Was ist denn außerhalb zu finden und wie sieht es da aus? Hast du ein Paradies auf Erden? Verrätst du uns wo?

Zudem werden Wunschgewächse für die Bepflanzung von urbanen Gärten ermittelt und versucht, die notwendigen Saaten zu besorgen. Das heißt konkret, dass zum einen vielleicht die Personen selbst die entsprechenden Samen haben oder besorgen können oder wir versuchen über unser Netzwerk oder auf Reisen die entsprechenden Samen zu besorgen.

Auch die Spender*innen des Saatguts werden dann interviewt und nach ihren Vorstellungen gefragt, auch gebeten eine Zeichnung anzufertigen. Die Zeichnungen und Interviews bilden, zusammen mit dem Saatgut, einen Bestand den man als Erbe bezeichnen kann, auf den wir, wenn wir die Samen pflanzen, achten müssen.

Aktueller Stand des Projekts:

Im Oktober 2020 haben wir im Sandleitenhof Räumlichkeiten bezogen, die temporär als Saatgutarchiv und Projektraum eingerichtet werden. Die Schenkungen werden über die Schaufenster und innerhäusig sichtbar gemacht sowie die Zeichnungen und das Saatgutarchiv gezeigt.

Um dieses Zeigen zu rahmen, haben wir uns verschiedene Formate ausgedacht, wie z.B. einen Erfassungsbogen für Saatgut und ein Leitfadeninterview, durch dieses wir Informationen über das Saatgut erhalten. Auch Gesprächsrunden wurden veranstaltet sowie Nachbar*innen aufgesucht und befragt.

Dank freundlicher Einladung von Angelika Neuner wurde das Nachbarschaftszentrum 16 in Ottakring besucht und die Teilnehmenden des DIY-Workshops von „Frauen im Zentrum“ in der Garage Grande befragt.

Parallel findet ein von SOHO in Ottakring beauftragtes Projekt „deli*SPACES“ im gleichen Raum statt. Irene Lucas, die im Kunstraum toZOMIA in der Baugruppe Grätzelmixer am Sonnwendviertel das Projekt Solarmanufaktur betreibt und Karsten Michael Drohsel, der im Projektraum R1 im Sandleitenhof u.a. das Projekt „Die Schule des guten Geschmacks“ betreibt, kochen Donnerstags zusammen mit der Nachbarschaft Lebensmittel, die von den Wiener Food Waste Rebellen Robin Foods gespendet werden. Die Menschen bei Robin Foods retten Lebensmittel, machen Dumpster Touren, organisieren Food Waste Caterings, bauen upcycling mobile Fahrradküchen & Grätzloasen, fermentieren Lebensmittel und vieles mehr.

Mit den gespendeten Lebensmitteln, die wir teilweise unbearbeitet an die Nachbarschaft verschenken konnten, sind solar-gekochte Köstlichkeiten entstanden sowie in Workshops zusätzlich frisches Tofu, vegane Wurst und kreative Marmeladen, die gleich vor Ort probiert werden konnten.

Wie alle öffentlichen Programme ruht das Projekt derzeit bzw. findet in Teilen online statt. Sobald es diesbezügliche Neuigkeiten gibt, werden wir auf dieser Webseite, aber auch auf Facebook darüber informieren.

Verstetigung

Das Projekt ist so angelegt, dass von Anbeginn nachhaltige soziale, ökonomische und ökologische Strukturen geschaffen werden, sodass auch nach Ablauf des temporären Teils des Projekts belastbare Netzwerke zurückbleiben.

Perspektivisch ist auch denkbar mit einem lokalen Gartenprojekt, zur Eigenproduktion von Gemüse und Obst, aber auch als Lernort der Umweltbildung zu kooperieren. Ebenso mit universitären Fakultäten, Unternehmen oder Museen, die Expertise in oder Exponate aus den genannten Bereichen haben.